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DER ANDERMATTER Winter 2014

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Gästemagazin der Gotthardregion

Er liebt den Geruch von

Er liebt den Geruch von Harz: Ferdinand Herger. Loving the aroma of resin: Ferdinand Herger. Ohne Wald wäre das Urserental kaum bewohnbar. Das haben schon die Vorfahren gewusst. In ihrem 1397 erlassenen Bannbrief wird das unerlaubte Holzschlagen streng verboten. Ferdinand Herger, Betriebsleiter des Forstgebiets Urserental, erklärt die vielseitigen Aufgaben des Urschner Walds. Without its forest, Urseren Valley would scarcely be habitable. It's a fact that even our ancestors recognised. Impermissible felling was heavily according to their interdict of 1397. Ferdinand Herger, Area Manager of the Urseren Valley Forest, explains the diverse functions of the Urschner Forest. Warum ist der Wald im Urserental lebenswichtig? Der Wald ist ein Multitalent und nimmt die unterschiedlichsten Funktionen wahr. Zum einen liefert er Holz – ein natürlicher Rohstoff, der ständig nachwächst. Zudem übernehmen die Wälder elementare Schutzfunktionen. Gerade im Urserental können wir das hervorragend beobachten. Der Wald ist hier der beste Schutz gegen Lawinen, Wildbäche und Erdrutsche. Er verhindert die Entstehung von Lawinen und bremst kleinere Schneerutsche ab. Nicht vergessen dürfen wir den Beitrag, den der Wald zum Wasserhaushalt leistet. Ein Quadratmeter Waldboden speichert bis zu 200 Liter Wasser. Und nicht zuletzt bietet der Wald den Besuchern Ruhe und Erholung. Im Wald spüren wir die Natur am ursprünglichsten. Auffallend ist, dass das Urserental – im Vergleich zum Oberwallis oder zum Bündner Oberland – wenig Wald aufweist. Wie lässt sich das erklären? Lange war man der Meinung, dass während der schrecklichen Franzosenzeit 1799 fremde Soldaten auf der Suche nach gutem Brennholz viele Bäume gefällt hätten. Heute wissen wir, dass die Talbewohner die Wälder schon im Mittelalter gerodet hatten. Für sie waren Kuh- 22 weiden eben wichtiger als die Wälder. Doch es ging nicht lange, und sie erkannten die grosse Bedeutung und den vielseitigen Nutzen des Waldes. Im Bannbrief von 1397 lesen wir, dass jeder, der auch nur einen Ast unerlaubterweise aus dem Wald mitnimmt, hart bestraft wird. Wer ein zweites Mal gegen das Verbot verstösst, wird sogar des Tales verwiesen. Und wie steht es heute? Nach wie vor steht der Wald unter strengem Schutz. Dies ist der Grund, weshalb es im Winter verboten ist, abseits der Pisten mit den Skis durch den Wald zu fahren. Viele Jungbäume würden Schaden nehmen. Lebensbedrohend ist das auch für die Wildtiere im Wald. Sie werden aufgescheucht und geraten unter gewaltigen Stress. Sie benötigen dann 60-mal mehr Energie, als wenn sie ungestört sind. Der Wald braucht eine intensive Pflege. Wie erfüllen Sie diesen Auftrag? In unserem Forstbetrieb arbeiten fünf festangestellte Forstwarte. Wir sind für alle Wälder des Urserentals sowie der Gemeinden Göschenen und Wassen verantwortlich. Unsere Arbeit ist vielseitig und sieht je nach Jahreszeit anders aus. Jeden Frühling setzen wir rund 500 kleine Tännlein, die zwischen 20 und 40 cm hoch sind.

Bis sie etwa zehn Jahre alt sind, müssen wir nach den schneereichen Wintermonaten viele von ihnen aufrichten und gerade stellen. Damit die Bäume gut wachsen und genügend Licht erhalten, mähen wir mit Sicheln die nähere Umgebung frei. Der Erhalt und die Verjüngung des Waldes sind zweifellos unsere wichtigsten Aufgaben. Dazu gehört auch das Fällen von Bäumen – eine Arbeit, bei der grösste Vorsicht geboten ist. Zudem sind wir für den Bau und den Unterhalt der Waldwege verantwortlich. Was ist das Besondere des Urschner Waldes? Dass er in erster Linie ein Schutzwald ist. 80 Prozent des Bestandes sind Fichten – eine sehr widerstandsfähige Baumsorte, die besonders für höhere Lagen geeignet ist. Speziell ist auch, dass hier der Wald schon früh zum Allgemeingut erklärt wurde. Alle sollten ihn – unter Beachtung strenger Regeln – nutzen können. Auf der anderen Seite waren aber auch alle für die Pflege verantwortlich. Der Wald bot schliesslich auch allen den nötigen Schutz. Und das ist heute nicht anders als früher. Zahlen und Fakten zum wald des urserentals Urseren Forest facts and figures Waldfläche Forest area Besitzerin Proprietor Baumarten Tree species forstbetrieb Forestry division Why is the forest in the Urseren Valley of vital importance? Ferdinand Herger: The forest is very versatile and fulfils a wide variety of functions. It supplies wood – a regenerative natural raw material – and fulfils essential protective functions. The Urseren Valley provides us with an excellent example. The forest is the best protection against ava lanches, mountain torrents and landslides. It prevents the occurrence of avalanches and hinders smaller snow slides. The part the forest plays in the water balance is also worth remembering. A square metre of forest floor stores up to 200 litres of water. And, last but not least, the forest is an oasis of peace and relaxation for visitors. In the forest we can experience nature at its most unspoilt. It is striking that Urseren Valley – in com par i- son to Upper Valais or Bündner Oberland – has little forest. Why is that? Ferdinand Herger: It was long held that foreign soldiers had felled many of the trees as firewood in 1799 during the French invasion. But we now know that the valley dwellers had already cleared the forest in the Middle Ages. Pastures for the cows were simply more important to them than the forest. However it wasn't long before they realised the major importance and diverse benefits of the forest. In the 1397 interdict we read that anyone even removing a branch from the forest illicitly was to be severely punished. Second-time offenders even faced exile from the valley. 145 Hektar 145 hectares Korporation Ursern, Bürgergemeinde Andermatt Ursern Corporation, Andermatt Municipal Community Fichten, Arven, Lärchen Spruce, Swiss pine, larch 5 Festangestellte 5 employees Aufforstung Reforestation seit 1875 since 1875 So what is the situation today? Ferdinand Herger: Now as then the forest is rigorously protected. This is why it is prohibited to ski off-piste through the forest in winter as many saplings would be damaged, not to mention the danger to wild animals living in the forest. They are startled and subjected to extreme stress. They need sixty times more energy than when left undisturbed. The forest needs intensive care. How do you fulfil this task? We have five permanent forest managers in our forestry division. We are responsible for all forests in the Urseren Valley and the communities of Göschenen and Wassen. Our work is varied and changes with the seasons. Every spring we plant some 500 fir saplings at a height of between 20 and 40 cm. Until they are around ten years old we have to straighten and set up many of them after the heavy snowfalls in the winter months. We use scythes to mow down the surrounding undergrowth to allow the saplings to grow well and get enough light. Preserving and planting new trees is undoubtedly our most important task. That also includes felling trees – a job that calls for extreme caution. We are also responsible for making and maintaining forest paths. What is special about Urschner Forest? First and foremost it is a protective forest. 80 per cent of the trees are spruce – it's a very hardy species and particularly suitable for higher altitudes. It's also special because this forest was designated common property long ago. Everyone should be able to enjoy it – while observing the strict rules, of course. On the other hand, everyone was also responsible for husbanding. After all, the forest provided everyone with the necessary protection. And this still holds true today. 23

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