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DER ANDERMATTER Sommer 2018

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Gästemagazin der Gotthardregion

1 Gentiana verna,

1 Gentiana verna, Gentianaceae 74

2 3 Wer gehört zum ALPFOR-Team? CHRISTIAN KÖRNER: Die Forschungsstation ist auf Initiative des Botanischen Instituts der Universität Basel entstanden. Studierende aus Basel und aus ganz Europa unterstützen uns in der Forschung. Im Hochsommer kommen ausserdem interessierte Laien dazu, die alle etwas über alpine Ökologie lernen wollen. Welche Studien verfolgen Sie aktuell? ERIKA HILTBRUNNER: In einem unserer Grossprojekte befassen wir uns mit der Frage, ob eine kürzere Schneebedeckungsdauer alleine oder erst kombiniert mit häufiger auftretender Sommertrockenheit den Alpenpflanzen etwas ausmacht. Wir simulieren die Situationen, indem wir Schnee wegschaufeln oder Zelte aufbauen, die den Regen abhalten. Ein weiteres Forschungsthema ist an den Flanken des Urserntals auf Schritt und Tritt zu erkennen: die Verbuschung des ursprünglich genutzten artenreichen Graslandes durch die Grünerle. Das Gebüsch zerstört uraltes Weidland, schützt kaum vor Lawinen und verhindert das Aufkommen des natürlichen Bergwaldes. In unserem grossen Experiment zu diesem Thema spielen Engadinerschafe die Hauptrolle. Diese schälen nämlich die Rinde von den Erlenstämmen und bringen sie zum Absterben. Die «Landschaftspfleger mit Ramsnase» können so den Bestand des unerwünschten Buschs gezielt und stark dezimieren. Welches sind die bedeutendsten Erkenntnisse, die Sie bisher gewonnen haben? CHRISTIAN KÖRNER: Wir konnten aufzeigen, dass die Anreicherung der Luft mit dem Treibhausgas Kohlendioxid keine oder tendenziell ungünstige Folgen für das Pflanzenwachstum im Hochgebirge hat. Wir haben auch bewiesen, dass die Erwärmung der Luft sich nicht unbedingt negativ auf Flora und Fauna auswirkt. Dies vor allem deshalb, weil die Pflanzen und Kleinlebe wesen kurzzeitig auf kühlere Flecken ausweichen können – sofern sie hierfür genügend Zeit und Platz haben. Alles in allem zeigt sich, dass das Wachstum der Alpenpflanzen und -lebewesen nicht nur von einem einzigen Einflussfaktor getrieben wird. 75 Who is in the ALPFOR team? CHRISTIAN KÖRNER: The research station was set up on the initiative of the Institute of Botany at the University of Basel. Students from Basel and from throughout Europe have been helping us with the research. High summer also sees the arrival of interested amateurs, who all want to learn something about alpine ecology. What studies are you conducting at the moment? ERIKA HILTBRUNNER: In one of our major projects we are looking at whether alpine plants are affected by a shorter period of snow cover alone, or only in combination with more frequent summer droughts. We simulate the situations by shovelling the snow away or putting up tents to keep the rain away. A further research topic can be seen at every turn in the Ursern Valley: the encroachment of green alder onto the biodiverse areas originally used as grassland. This encroachment is destroying ancient pastures, offers little protection from avalanches and prevents the growth of the natural mountain forest. In our major experiment on this subject the main role is played by Engadine sheep, which peel back the bark from the alder bushes, causing them to die off. In this way these “sheep-shaped landscape conservationists” are able to target the existence of this unwanted scrub and significantly deplete it. What are your main findings so far? CHRISTIAN KÖRNER: We have been able to show that the accumulation of the greenhouse gas carbon dioxide in the air generally has very little or no adverse effect on plant growth in the high mountain region. We have also proved that the rise in air temperatures has not had an entirely negative impact on plants and animals. This is mainly because the plants and small organisms can switch to cooler patches in the short term – as long as they have sufficient time and space to do so. All in all it appears that the growth of alpine plants and other organisms is driven by more than one influencing factor. 1 Studenten der jährlich stattfindenden Summer School beim Pflanzenstudium. Students taking part in the annual summer school studying plants. 2 Vielfältige Blütenpracht auf der Furka. The diversity of flora on the Furka. 3 Zelte halten im Sommer den Regen ab, um Trockenheit zu simulieren. Marquees keep off the summer rain to simulate drought conditions.

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