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DER ANDERMATTER Sommer 2015

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Gästemagazin der Gotthardregion

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EIN KURZER BLICK IN DIE LANGE GESCHICHTE. A BRIEF LOOK INTO A LONG HISTORY. GIGANTISCH Am 26. September 1920 lehnen die Bürger von Andermatt an einer Versammlung das Projekt eines Riesenkraftwerks in Urseren ab. Sie wehren sich entschlossen dagegen, dass ihr Tal unter Wasser gesetzt werden soll. On 26 September 1920 an assembly of Andermatt citizens rejects a huge power station project for Urseren. They resolutely oppose the flooding of their valley. Wenige Monate ist es her, seitdem eine Lokalzeitung berichtete, ein bekanntes Innerschweizer Kraftwerkunternehmen plane im Urserental einen Stausee. Noch ist alles ein Gerücht. Doch im April 1920 wird das Vorhaben publik. Das Projekt sieht einen 90 Meter hohen Staudamm beim Urnerloch vor. 280 Millionen Kubikmeter Wasser sollen gestaut werden. Damit könnten im Jahr 300 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden. Allein, das Ganze hat einen Haken: Die beiden Gemeinden Andermatt und Hospental würden unter Wasser gesetzt. Bereits werden Pläne und Skizzen der neu gebauten Dörfer an den sonnigen Hängen des Urserentals in Umlauf gebracht. Könnte das Kraftwerk gar die Rettung für das nach dem Ersten Weltkrieg krisengeschüttelte Tal sein? Einzelne Hoteliers hoffen ihre unrentablen Häuser für teures Geld loszuwerden. Die überwiegende Mehrheit der Urschner wehrt sich allerdings trotzig gegen das gigantische Projekt. Am 26. September 1920 verabschiedet eine ausserordentliche Talgemeinde in Andermatt ohne Gegenstimme eine entsprechende Protestnote. Auch wenn unser Bild eine friedliche Stimmung zeigt, waren die Talbürger fest entschlossen, das Projekt zu bekämpfen und ihre Heimat bis zum Letzten zu verteidigen. Nur die Kinder scheint das wenig zu berühren: Sie sehnen offensichtlich gelangweilt das Ende der mehrstündigen Versammlung herbei. In der Folge wird das Stauseeprojekt auf Eis gelegt. Der Widerstand scheint zu gross, die finanziellen Mittel fehlen, und andere Kraftwerkideen stehen im Vordergrund. Doch 1941 tauchen die Pläne plötzlich wieder auf. Und erneut regt sich heftigster Widerstand im Tal. Resolutionen, selbst an den Bundesrat, werden verfasst. In Vorträgen wird das Vorhaben bekämpft, und zahlreiche Broschüren und Artikel zeigen auf, welche verheerenden Folgen ein Stausee für das Tal und die Bevölkerung hätte. Am 19. Februar 1946 wird der Planungsingenieur von einer aufgebrachten Schar junger Andermatter sogar unsanft aus dem Tal vertrieben. Die als «Krawall von Andermatt» in die Geschichte eingegangene Aktion bringt die Wende: Endlich sehen auch die Planer ein, dass sie gegen den geschlossenen Widerstand einer ganzen Talschaft das Riesenprojekt unmöglich verwirklichen können. Gigantic A few months previously the local newspaper reported that a wellknown power plant company was planning a dam in the Urseren valley. Although at this point still a rumour, in April 1920 the project is made public. It envisages a 90-metre high dam at Urnerloch, which is to hold 280 million cubic metres of water, generating 300 million kilowatt hours of electricity annually. However, and here's the rub: both Andermatt and Hospental would be flooded. Plans and diagrams of the newly built villages on the sunny slopes of the Urseren valley are already in circulation. Might the power station be the solution to the valley's tribulations after the First World War? Although a couple of hoteliers hope to sell off their unprofitable establishments at high prices, the vast majority of Urseren's citizens defiantly oppose the gigantic project. On 26 September 1920 an extraordinary assembly of the valley community in Andermatt unanimously carry a corresponding protest note. Even if our picture shows a calm mood, the valley inhabitants were determined to fight the project and defend their homes to the bitter end. Only the children seem disinterested: with bored looks, they obviously can't wait for the long hours of the assembly to end. The dam project is shelved as a result. Opposition appears to be too strong, there is a lack of finance and other power station ideas take precedence. Yet in 1941 the plans suddenly reappear. And again meet with very hefty opposition in the valley. Resolutions, even to the Federal Council, are drafted. The project is opposed in talks; countless brochures and articles illustrate the devastating consequences of a dam for the valley and its inhabitants. On 19 February 1946 the planning engineer is even forcefully driven out of the valley by a clutch of angry young men from Andermatt. Recorded in the annals of history as the 'Andermatt Riot', the event marks a turning point: even the planners finally accept that they cannot go ahead with the huge project against the resolute will of the entire valley. 47

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