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DER ANDERMATTER Sommer 2013

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Gästemagazin der Gotthardregion

GELEBTE TRADITION UND

GELEBTE TRADITION UND INNOVATIVE PÄDAGOGIK Living tradition and innovative education Dunkle Gänge, meditative Gesänge, Mönche in wallenden Kutten: Eine geheimnisvolle, aber faszinierende Welt – nicht erst seit dem Film «Der Name der Rose». Einst haben die Klöster eine einflussreiche Rolle gespielt. Und heute? DER ANDERMATTER blickt hinter die Mauern des ältesten Benediktinerklosters der Schweiz. Dark corridors, meditative song, monks in flowing cowls: a mysterious yet fascinating world – and long before the film ‘The Name of the Rose’. The monasteries once played an influential role. And today? DER ANDERMATTER peeps behinds the walls of Switzerland’s oldest Benedictine monastery. Disentis, abgeleitet von Desertina, heisst soviel wie Einöde. Der ideale Ort für den aus dem Frankenland stammenden Einsiedler Sigisbert, der sich der Überlieferung nach um 614 n. Chr. in die Surselva zurückzog. Zusammen mit seinem einheimischen Gefährten Placidus baute er eine kleine Kirche. Doch der weltliche Herrscher in Chur misstraute den beiden und liess Placidus töten. Das war an einem 11. Juli. Bis heute versammeln sich am Sonntag vor dem 11. Juli die Mönche und die Bevölkerung von Disentis zu einem Festgottesdienst. «Sogn Placi» ist der wichtigste lokale Festtag in der Surselva, wie die Gegend im obersten Zipfel Graubündens auf Romanisch heisst. Enge Beziehung zu Urseren Mit einer Bluttat beginnt also die Geschichte des Klosters. Sie bescherte der Surselva zwei Heilige, die bald hoch verehrt wurden. Für die abgeschiedene Gegend ein wahrer Glücksfall: Unter Abt Ursicin entstand in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ein Kloster nach der Regel des heiligen Benedikt. Die Abtei entwickelte sich schnell zu einem geistigen und wirtschaftlichen Zentrum. Die Mönche rodeten das Land bis hinauf zum Lukmanierpass. Und im 8. Jahrhundert siedelten sie Leute in jenem «gottverlassenen» Tal jenseits der Oberalp an, wo noch Bären ihr Unwesen trieben. Für rund 600 Jahre blieb Urseren unter der Herrschaft des Disentiser Klosters. Im Turm zu Hospental residierte der Gesandte des Abts und schaute zum Rechten. Doch immer mehr erwies sich die Distanz über den Pass als zu gross. Urseren löste sich all mählich von der Abtei – um 1410 in die Abhängigkeit von Uri zu geraten. Im Urschner Wappen erinnert das Kreuz hinter dem Bären an die geistliche Herrschaft. «Auch wenn die Bande heute lockerer sind als früher, pflegen wir eine besondere Beziehung zur Talschaft Urseren», meint der 2012 von der Klostergemeinschaft gewählte Abt Vigeli Monn. Und der Urschner Talammann Alex Renner doppelt nach: «Den Einfluss des Klosters Disentis auf unsere Kultur und Geschichte haben wir nie vergessen.» 23

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